Filmfestivals werden in Deutschland unter filmwirtschaftlichen Gesichtspunkten immer noch auf ihre Funktion als gezieltes Instrument für eine differenzierte Vermarktungsstrategie von Filmproduktionen reduziert. Hieraus erklärt sich, weshalb bei den offiziellen deutschen Stellen zur statistischen Datenerhebung im Bereich nationaler Produktion, Verbreitung und Verwertung von Filmprogrammen Filmfeste ein Schattendasein führen. So bleiben in dem von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO) jährlich herausgegebenen Filmstatistischen Jahrbuch selbst bei der Datenerhebung zu uraufgeführten Spiel- und Dokumentarfilmen Filmfestivals bedauerlicherweise unberücksichtigt. Und auch seitens der FilmFörderungsAnstalt Berlin (FFA) werden im Rahmen ihrer jährlichen Studie zu Sonder-Kino-Formen die jährlichen Besucherzahlen nur von neun Filmfestivals deutschlandweit erfasst und deren jährliche Kennzahlen auch erst seit 2010 als eigenständige Kategorie und nicht kumuliert mit den Daten der IMAX/3-D-Säle ausgewiesen. So lassen sich auf dieser Grundlage mangels Umfang der Stichprobe keine konkreten Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Lage oder verlässliche Trends ableiten.

Die unsererseits seit 2012 regelmäßig aktualisierte Untersuchung zu Umfang, Vielfalt und Entwicklung des deutschen Filmfestivalmarkts zeigt unter anderem:

1. Größe und Wachstum des deutschen Filmfestivalmarkts
Der deutsche Filmfestivalmarkt ist seit den 1980er Jahren bis in die Gegenwart von einem anhaltend sehr dynamischen Wachstumstrend gekennzeichnet. Ließen sich Ende 2013 noch knapp 350 Filmfestivals identifizieren, so waren es Ende 2015 bereits knapp 400 Filmfestivals. Dieser Anstieg basiert jedoch nicht allein auf Neugründungen, sondern ebenso auf Akteuren, die im Zuge einer Professionalisierung und wachsender Bekanntheit auch erst nach einigen Ausgaben in der breiteren Öffentlichkeit in Erscheinung treten.

2. Verteilung des deutschen Filmfestivalmarkts nach Bundesländern
Bayern stellt knapp vor Berlin das Filmfestival-reichste Bundesland dar. Damit bilden die beiden Top-Filmfestivalländer sowohl einen Stadt- als auch einen Flächenstaat. Die Anzahl an Filmfestivals korreliert dabei deutlich mit der Positionierung des Bundeslandes als Medienstandort.

3. Verteilung des deutschen Filmfestivalmarkts nach Standorten
Filmfestivals finden sich vermehrt in einem städtischen Umfeld wieder. Jedoch gilt dies nicht ausschließlich für Großstädte, sondern zunehmend auch für klein- und mittelgroßen Städte mit 50.000 bis 100.000 bzw. 100.000 bis 500.000 Einwohnern.

4. Korrelationen zwischen der deutschen Kinolandschaft und deutschen Filmfestivallandschaft
Auch wenn einige der Kinoleinwand-starken Bundesländer eine Entsprechung in der Filmfestival-Dichte aufweisen, ist diese Korrelation nicht durchgehend zu beobachten. Vielmehr scheint es, dass Bundesländer, die ein starkes Kinosterben zu verzeichnen haben, diesen Verlust mit einer steigenden Anzahl an Filmfestivals kompensieren.

Die Relevanz von fundierten Marktanalysen basiert dabei nicht nur auf dem geringen Kenntnisstand von Filmfestivals als Akteure der Medienwirtschaft, sondern vor allem auf dem Desideratum zu Struktur und Potential des mittlerweile über 400 Festivals umfassenden deutschen Filmfestivalmarkt sowie Profil wie auch Stammdaten seiner einzelnen Akteure. Erkenntnis darüber bilden jedoch die Voraussetzung die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung von Filmfestivals im Zusammenhang neu entstehender Handlungsfelder zu analysieren, um deren ökonomische Effekte konkretisierbar zu machen.

Zitierempfehlung: Krainhöfer, Tanja (2014): Der deutsche Filmfestivalmarkt. Eine quantitative Studie deutscher Filmfestivals. Unveröffentlichte Pilotstudie. München